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Wie Brüssel angeblich heimlich die Glühbirne abschaffte und was wirklich geschah

Wie Brüssel angeblich heimlich die Glühbirne abschaffte und was wirklich geschah

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Jul 12 2013

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Marlene Holzner

Wie Brüssel angeblich heimlich die Glühbirne abschaffte und was wirklich geschah

Das Glühbirnen-Verbot ist "das" Parade-Beispiel für die Brüsseler Regulierungswut: Als hätten sie nichts Besseres zu tun, als die EU-Bürger mit immer neuen Vorschriften zwangs zubeglücken, regulierten die EU-Beamten auch noch die Glühbirne. Sie wurde schlichtweg von den Verkaufsregalen verbannt. Stattdessen wurde den Bürgern die ungeliebte Energiesparlampe aufgedrängt. So - oder ähnlich - haben wir die Geschichte schon oft gehört oder gelesen. Aber war es wirklich so? Bringen wir Licht ins Dunkel

Wer hat das Glühbirnen-Verbot vorgeschlagen?

2007 - kaum ein Jahr nachdem Al Gore mit seinem Film "The Inconvenient Truth"  Politiker wie Bürger wachrüttelte -  übernahm Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft und setzte die Klimapolitik auf seine Prioritätenliste. Das Glühbirnen-Verbot war ein Teil der neuen Politik-Strategie, Energie und damit Co2 einzusparen, um den Klimawandel aufzuhalten. Alleine durch den Ersatz mit Spar- oder LED-Lampen,  so die Überlegung, würden 15 Millionen Tonnen Co2 eingespart.

Im Februar 2007 forderte daher der damalige deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel in einem Brief an Umweltkommissar Stavros Dimas:  Es sollten "anspruchsvolle Effizienzkriterien für Lampen eingeführt werden, die (…) durch herkömmliche Glühbirnen nicht mehr eingehalten werden können.“  Kurz darauf - auf dem EU-Frühjahrsgipfel 2007 - forderten die EU-Staats-und Regierungschefs die EU-Kommission einstimmig auf, „rasch Vorschläge vorzulegen, damit strengere Energieeffizienzanforderungen (...) für Glühlampen und sonstige Arten von Beleuchtung in Privathaushalten bis 2009 festgelegt werden können“. (Siehe S. 14 und 20 der Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 9. März 2007: http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/07/st07/st07224.de07.pdf). Die Fachminister der EU-Staaten legten im Oktober 2008 nach und forderten die EU-Kommission auf, Glühbirnen und Lampen mit geringer Effizienz  zu verbieten.

Wurde das Europäische Parlament gefragt?

Und wie war das mit den Volksvertretern, die beim Glühbirnen-Verbot nicht gefragt wurden?  Das wird zumindest von einigen behauptet. Auch Fehlanzeige! Als der Kommissionsvorschlag auf dem Tisch lag und Fachminister und EU-Parlament im Februar 2009 darüber berieten, gab es weder vom Umweltausschuss des Europäischen Parlaments noch von den Energieministern der EU-Länder Einwände. Daher nahm die EU-Kommission die Verordnung im März 2009 an.

In einer Resolution des Parlamentsausschusses für Industrie, Forschung und Industrie (ITRE) hatten sich die Parlamentarier sogar explizit für ein Glühbirnenverbot ausgesprochen: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+TA+P6-TA-2008-0033+0+DOC+WORD+V0//EN

Warum wurden Glühbirnen eigentlich vom Markt genommen?

Eine einzige Glühbirne macht natürlich im Hinblick auf die Energie- und Klimabilanz keinen großen Unterschied - umgelegt auf alle EU-Haushalte aber sehr wohl.  Die Beleuchtung macht nämlich bis zu einem  Fünftel des Stromverbrauchs in einem Durchschnittshaushalt aus.   Wenn Glühllampen durch Spar- oder LED-Lampen ersetzt werden,  könnten daher rund 40 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr eingespart werden – das ist ungefähr der Jahres-Stromverbrauch von Rumänien.

Zudem kommt: Auch ohne herkömmliche Glühlampen können Verbraucher immer noch selber bestimmen, welche Lampen sie kaufen. Sie haben die Wahl  zwischen  Halogenlampen, Kompaktleuchtstofflampen und LED-Lampen. Entgegen einiger Darstellungen enthalten diese weder alle Quecksilber, noch strahlen sie ausschließlich kaltes Licht aus oder sind nicht dimmbar. Und teurer sind sie schon gar nicht, denn sie halten länger und verbrauchen weniger Strom:  Eine 23-W-Energiesparlampe, die sechs Jahre hält, wäre rund 100 Euro billiger als mehrere herkömmliche 80-Watt-Glühlampen im selben Zeitraum (bei angenommenen Stromkosten von 0,136 Euro/kWh).

Weitere ausführliche Informationen erhalten Sie auf der Energiesparlampen-Webseite der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/energy/lumen/index_de.htm

 

6 comments

  • Posted on

    July 12, 2013 at 8:53 pm
    datka's picture

    Daniel Tkatch

    Meine Nachbarn DG Energy sollen auch den eigenen unnötigen Stromverbrauch reduzieren, z.B. dadurch, dass sie ihre Rechner oder mindestens die Monitore nachts abschalten. http://pic.twitter.com/dd2ZH7F6qu

  • Posted on

    August 19, 2013 at 3:15 pm
    holznma's picture

    Marlene Holzner

    Klar sollten wir generell Energie sparen, nicht nur bei der Beleuchtung!

  • Posted on

    July 25, 2013 at 10:30 am
    Jonah's picture

    Gian Paolo Panzica

    Wieder auf nationale Ebene wurde eigentlich weniger Arbeit geleistet: Kommunikation und Austausch mit den Bürgern. Damit schaffen sie sich oft die lokale Autoritäten Alibis für ihr schwächeren Leistungen. Die Umsetzung der Direktive wird jedoch noch komplizierter aufgrund der lokalen, subregionalen Regulierungen die sie in Kraft bringen sollten. Trotzt alle dem, ich fühle mich sehr skeptisch über den Verbot eines bestimmten Produkten, deren negativen Wirkungen nur aus den Missbrauch stammen und nicht aus den Gegenstand selbst. (Sonst würden die Verbraucher selbst, so ein Produkt aus den Markt schaffen, wenn besseren Alternativen wirklich solchen sind...so wie es immer gewesen ist, in eine von Preis-Leistung regulierten Wirtschaft ).

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    August 1, 2013 at 8:40 pm
    lighthouse's picture

    peter dublin

    Es gibt ein ganz anders Geschichte uber was ist passiert zur Zeit EU Verbot - auch mit kommunikation und emails von Deutsche Kommittee abgeordneten:
    http://ceolas.net/#euban

  • Posted on

    August 1, 2013 at 8:48 pm
    lighthouse's picture

    peter dublin

    Ubrigens, warum Verbot kein Sinn macht, auch im Bereich Stromverbrauch usw
    14 Punkte, Verweise zu EU eigene VITO Data Aufgabe, unter anderem
    http://freedomlightbulb.org/p/how-bans-are-wrongly-justified.html#ban
    .

  • Posted on

    August 19, 2013 at 3:18 pm
    holznma's picture

    Marlene Holzner

    Das stimmt und das stimmt wieder nicht. Es gibt bestimmte Situationen, in denen die positiven Anreize für eine Verhaltensänderungen zu gering sind, aber für die Allgemeinheit oder für andere sind die Vorteile enorm. Dazu gehört die Glühbirne. Der einzelne mag nicht soviel dabei sparen, aber in Summe trägt das Verbot dazu bei, dass wir CO2 in nicht unbeträchtlichem Ausmasse einsparen und ebenso Energie.


     


    Übrigens: Nicht nur in der EU sind Glühbirnen verboten, sondern auch in den USA, Kanada, Südkorea, Australien. Und China, Indien und Russland haben dies ebenso vor. Warum wohl??