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Translation Speed Dating – Speed Dating einmal anders

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Von Dr. Alexandra Krause, Senior Lecturer  am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien und EMT Board Mitglied.

Wer von uns hat sich nicht schon so dumme Sprüche anhören müssen, wie „Was Du bist Übersetzer/in? Das kann doch jeder, der eine Fremdsprache kann“ oder „Nein, diese Tarife bin ich nicht bereit zu zahlen, Google Translate reicht mir vollkommen.“

Übersetzer/innen sind meist unsichtbar, im besten Fall unterschätzt. Die meisten Menschen sind sich weder dessen bewusst was wir tun, noch wie ihr Leben ohne Übersetzungen – nicht – funktionieren würde. Wer vom Fach ist, schwankt zwischen Staunen und Resignation, zwischen Frustration und Ärger, wenn er oder sie feststellen muss, dass übersetzerische Tätigkeiten und Sprachdienstleistungen allgemein so wenig Beachtung finden und kaum Wertschätzung erfahren.

Was ist mit unserem Berufsbild los? Sind wir tatsächlich „nur“ die teurere menschliche Version von Google Translate und DeepL? Oder reichen unsere Kompetenzen und Dienstleistungen weit darüber hinaus?

So entstand die Idee, konkret etwas gegen diese Unsichtbarkeit und alle mit unserem Beruf verbundenen Vorurteile zu tun. Mir war bewusst, dass nur eine konzertierte Aktion mehrerer Stakeholder einen gewissen Breiteneffekt erzielen würde. Also habe ich als Lehrende am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien, ausgehend vom EMT, dem European Masters‘ in Translation, unser Netzwerk aktiviert und die Europäische Kommission, GD Übersetzung (Außenstelle Wien), die WKW Berufsgruppe Sprachdienstleister und die Österreichische Standesvertretung der Übersetzer/innen und Dolmetscher/innen, UNIVERSITAS Austria mit ins Boot geholt.

Nach der ersten Skype-Diskussion mit Claudia Kropf, der „field officer“ der Europäischen Kommission, Claudia Hagendorfer von der WKW, und Martina Kichler von UNIVERSITAS, war uns klar, wen wir erreichen wollten. Die österreichische Zielgruppe sollte vor allem

  • sprachenbegeisterte Schüler/innen, die kurz vor dem Abitur stehen
  • Studierende der Translation, die sich nicht klar sind, wohin die berufliche Reise gehen soll
  • Studierende anderer Fachrichtungen, die am Übersetzen und Dolmetschen interessiert sind

umfassen, aber auch Leute, die sich amüsiert oder gar verzweifelt über manch unverständliche Maschinenübersetzung schon öfter gefragt haben, was zum Kuckuck Übersetzer/innen denn eigentlich tun. Natürlich sollten sich auch Berufsanfänger/innen und potentielle Kund/innen angesprochen fühlen.

Auch das Datum unseres Online-Events war schnell gefunden. Es sollte der 30.September, der Tag des Übersetzens werden, der kurz nach dem Europäischen Tag der Sprachen, am 26. September gefeiert wird.

Soweit, so gut. Aber wie sollten wir uns, noch dazu in Zeiten von Corona, von den unzähligen Online- Aktivitäten abheben und was wollten wir eigentlich unseren Teilnehmer/innen bieten? Das Format machte uns Kopfzerbrechen. Nicht schon wieder eine Online-Veranstaltung mit Frontalvorträgen und ohne Interaktion! Und auf einmal fiel der Begriff Speed-Dating. Wir wollten doch Leute zusammenbringen, einen ersten Einblick in unsere Disziplin ermöglichen, alles möglichst unkompliziert und interaktiv gestalten. Ja, warum nicht? Es sollte ein Translation Speed Dating mit drei Schwerpunkten werden.

  • Übersetzungsbedarf in den Institutionen
  • Die Zukunft der Übersetzung aus Sicht der akademischen Ausbildung und
  • Übersetzen zwischen Sprachdienstleister/innen und Endkund/innen

Ganz haben wir uns dann nicht vom klassischen Schema eines Workshops verabschiedet. Eine Keynote sollte es schon zu jedem Themenblock geben. Aber die Interaktivität und das kurze rasche Kennenlernen sollte in 20- bis 25-minütigen Breakoutsessions stattfinden. Eine kleine Gruppe von Teilnehmer/innen, die dem jeweiligen Experten, der jeweiligen Expertin ihre Fragen stellen, Kontakt mit potentiellen Praktikumsgeber/innen oder Auftraggeber/innen aufnehmen, Erfahrungsberichte aus der Praxis mitnehmen können sollte.

Klar, jetzt brauchten wir „nur“ noch die richtigen Expert/innen. Also wieder unser aller Netzwerke aktivieren und bei der DGT, der EZB, der UNO, der OSZE, den Partneruniversitäten, den Übersetzungsagenturen, der AATC (Austrian Association of Translation Companies) und EUATC (European Association of Translation Companies) sowie Endkund/innen, und vielen mehr anfragen, wer denn Zeit und Lust hätte, an einem solchen Online-Event teilzunehmen.

Und alle haben gleich begeistert zugesagt, wenn es terminlich gepasst hat. Ganz so falsch dürften wir mit unserem Konzept also nicht gelegen haben. Wo wir aber völlig falsch gelegen haben, waren die Teilnehmerzahlen. Bei der Vorregistrierung haben wir mit 60 bis maximal 80 Teilnehmer/innen gerechnet. Geworden sind es dann 180 Anmeldungen. Und auch wenn nicht alle dann tatsächlich am 30.September online waren und wir auch auf Grund technischer Probleme so manchen Teilnehmer und so manche Teilnehmerin und sogar eine unserer hochkarätigen Expertinnen am Weg verloren haben, haben wir weit über 120 Leute am 30. September erreicht. Und was noch mehr zählt, wir haben einen Stein ins Rollen gebracht. Viele Teilnehmer/innen und Expert/innen sind weiterhin in Kontakt, tauschen sich aus. Praktikumsangebote wurden gemacht, Studienentscheidungen sind gefallen, Zweifel und Sorgen konnten beseitigt werden. Es wurde auch deutlich, dass unser Beruf facettenreich und interessant ist und durchaus Zukunft hat. Der menschliche Faktor ist und bleibt auch in Zeiten der maschinellen Übersetzung und der künstlichen Intelligenz unersetzlich. Es stimmt schon, das Berufsbild ändert sich ständig, wird interdisziplinärer, damit aber auch bunter. Flexibilität, Enthusiasmus, Bereitschaft zum lebenslangen Lernen sind die Schlüsselwörter. Aber in welchem Beruf sind sie das heutzutage nicht? 

Ich gebe zu, die Organisation des Translation Speed Dating hat dann doch etwas mehr Zeit und Mühe gekostet als ursprünglich gedacht. Aber zum Glück haben wir vier Organisatorinnen wunderbar zusammengearbeitet, die berühmte Frauenpower. Die Generaldirektion Übersetzen der Europäischen Kommission hat uns auch sehr gut unterstützt und uns den technischen Support finanziert. Unser Fazit war: Eine schöne Erfahrung, die wir gerne wiederholen wollen!

Neugierig geworden? Hier können die wichtigsten Abschnitte des Translation Speed Datings nachgesehen werden:

Und wenn es Fragen dazu gibt, einfach bei mir melden: alexandra.krause@univie.ac.at

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One Response to “Translation Speed Dating – Speed Dating einmal anders”

  1. Nikola Kunte says:

    Gratuliere nochmals zu dieser fantastischen Initiative. Ich hoffe sie wird Nachahmer finden!!!

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